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IC3

Die IC3-Züge der DSB gehören zu den bekanntesten Fahrzeugen, die wir heute auf den Schienen sehen können. Es gibt wahrscheinlich nur sehr wenige dänische Reisende, die nicht mindestens eine Fahrt mit einem IC3 gemacht haben.

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2 IC3-Einheiten auf dem Weg nach Norden. Stevnstrup, Mai 2002.

Die in den 80er Jahren als Baureihe MFA-FF-MFB gebauten Züge wurden mit großen Verzögerungen 1989 in Dienst gestellt und kamen schnell in alle Ecken des Landes.

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Erste Einfahrt eines IC3 in Esbjerg, Januar 1990

Der IC3 ist ein dreiteiliger Triebzug, der von den DSB im Hinblick auf optimale Ausnutzung unter anderem für den Fährverkehr entwickelt wurde.

Die Idee sah vor, dass ein aus bis zu 5 IC3-Einheiten bestehender Zug in Kopenhagen abfährt, um im weiteren Verlauf der Fahrt geteilt zu werden. Die einzelnen Einheiten steuern dann verschiedene Städte wie z.B. Sønderborg, Esbjerg, Struer und Frederikshavn an. Auf dem Rückweg werden die Einheiten wieder vereinigt und fahren gemeinsam nach Kopenhagen zurück.

Dieses Konzept wurde mehrmals geändert, aber IC3-Züge sind nach fast 20 Jahren immer noch im Einsatz. Die insgesamt 96 Züge haben dabei mehrere Millionen Kilometer (nicht nur) auf dänischen Gleisen zurückgelegt und ein Ende ist nicht in Sicht.


Der IC3 als Modell

von Ole Holm

Einen IC3 in Baugröße N gab es vor einigen Jahren als Bausatz von dem schwedischen Kleinserienhersteller Bengt Samelius.

Mit dem IC3 im täglichen Betrieb beim großen Vorbild wuchs bei mir der Wunsch nach einem IC3 für die Modellbahn. Ich konnte mehrere Bausätze von Samelius ergattern und ging an die Arbeit.

Rückblickend läßt sich sagen, dass es nicht leicht war, die Züge zu bauen und es dauerte viel länger als erwartet. Der Bau begann im Jahr 2000, und meine IC3 brauchten ebenso lange wie die DSB, bis sie dann im Jahr 2003 betriebsbereit waren.

Der Bausatz:

Jeder Bausatz enthält eine dreiteilige Einheit und besteht aus einzelnen Weißmetallseitenteilen, Dach, Wagenenden und Gumminasen (ebenfalls aus Weißmetall) und einer Anleitung in Schwedisch. Die Seiten bestehen aus zwei Hälften, die zusammengesetzt und lackiert werden müssen. Fahrwerk, Räder und Antrieb/Motor muß man sich selbst besorgen.

Die Anleitung  ist ziemlich kurz, besteht praktisch nur aus Stichworten und nimmt keinen Bezug auf die Probleme, die beim Bau auftreten können - und dann auch auftraten...

Fahrwerk und Motor.

Dieses war die erste Herausforderung. Der Sameliusbausatz sollte wahrscheinlich ursprünglich durch das Unterteil einer amerikanischen Lokomotive angetrieben werden. Ich habe es zuerst mit Arnolds Köf versucht. Dafür legte ich einige IC3-Bauteile auf das Dach der Köf sowie weitere Teile des IC3 auf angehängte Flachwagen und ließ die Köf den „Versuchszug“ über meine Anlage ziehen. Aber dieses war sicherlich nicht die Lösung, die ich wollte.

Dann testete ich Fahrwerk, Drehgestelle und andere Teile aus einem Roco TEE VT 11.5. Es wurde schnell klar, dass dessen Teile nicht richtig passen, aber die Drehgestelle der Fahrzeuge, die aus dem Umbau des VT 11.5 in einen MA Lyntog übriggeblieben waren, konnten als Laufdrehgestelle verwendet werden.

Nun, zurück zum Antrieb. Ich musste ihn fast von Grund auf neu entwickeln und nach einigen Recherchen entschied ich mich für die deutsche Rangierlok der Baureihe V100/BR 212, weil sie Drehgestelle mit brauchbaren Maßen hatte. Ich besorgte also 212-Modelle von Trix, Arnold und Fleischmann.

Arnolds Lokomotive war nicht brauchbar, weil der mit dem Chassis ein Gußstück bildende Umlauf nicht in das IC3-Gehäuse passte. Außerdem waren die Drehgestelle zu lang.

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Die Trix-Motorbefestigung wäre hervorragend geeignet und einfach umzubauen, aber da das Chassis umfangreich befeilt und die Stromversorgung neu gelötet werden müsste, habe ich diesen Ansatz aufgegeben.

Fleischmanns Lokomotive war aber für den Zweck geeignet, da alle äußeren Anbauteile wie Umlauf, Puffer etc. Teil des Aufbaues sind, während das eigentliche Chassis ziemlich schlank ist. Daher kaufte ich einige dieser Loks, so das ich weitermachen konnte.

Das V100-Fahrgestell wurde mit einem Messing U-Profil verlängert, welches mit dem Schlitz nach oben mit Araldit auf das Fleischmann-Chassis geklebt wurde, so das es in den IC3-Zwischenwagen passte, wobei ein Drehgestell versetzt wurde. Die Endwagen sollten die Drehgestelle als Jakobs-Drehgestelle mit dem Zwischenwagen teilen und erhielten Laufdrehgestelle an den äußeren Enden.

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Und es funktionierte prima. Das Fahrgestell zum Zwischenwagen fuhr traumhaft und hatte Zugkräfte wie eine TRIX My.

Wagenkästen

Der Zusammenbau der Wagenkästen war ein harter Kampf, da die Wandstärke variiert. Außerdem ist die Qualität des Weißmetalls sehr schlecht (Es ist fast wie reines Blei).

Ich überlegte die Teile zusammenzulöten, aber Versuche an den mitgelieferten „Gumminasen“ ergaben einige Trümmer. Die Teile schmolzen unkontrolliert, es war also kein geeignetes Konzept. Nach weiteren Versuchen kam ich auf den Klebstoff Araldit, der für haltbarere Verbindungen sorgte.

Alle Teile des Bausatzes sind zweidimensional flach geformt. Die Krümmungen muß man selbst biegen. Hierzu habe ich die "Vorwerk"-Methode verwendet, d.h. ich habe die Seiten um ein Staubsaugerrohr gebogen. Gleichzeitig sind die Fenster nicht symmetrisch, so dass alle Fenster zurechtgefeilt werden mussten, um korrekt auszusehen.

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Die Rillen auf der Seite waren nicht gut und durchgehend herausgearbeitet und mussten ausgekratzt bzw. nachgefeilt werden. Danach wurde der Wagenkasten zusammengebaut.

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Nun sollten die Klebefugen verfüllt werden und hier kam das nächste Problem. Ich denke, dass ich jedes Aufbauteil bestimmt fünfmal umgebaut habe, bevor es zum Lackieren bereit war. Die Aufbauten gingen einfach wieder auseinander, wenn ich sie bearbeitete.

Das Problem war, wenn die Seiten mit dem Dach verklebt wurden, sah es hässlich bzw. schief und kantig aus, weil die Passgenauigkeit der Teile sehr schlecht war. So musste ich die Kanten zwischen dem Dach und den Seiten abrunden und Unsauberkeiten korrigieren. Der Guß war wie erwähnt sehr bleihaltig und deshalb sehr weich und wirkte sehr fettig. So gingen die Teile sehr leicht wieder auseinander und ich musste nochmals kleben. Da die Wandstärke variierte, habe ich manchmal die ganze Sache wieder auseinandergenommen und erneut zusammengeklebt, nachdem die Teile angepasst wurden.

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Als es dann endlich geschafft war, die Wagenkästen zu montieren, wurden sie geschliffen und mit Humbrol Nr. 1 grundiert. Nach längerer Trockenzeit wurden die Wagenkästen mit seidenmatter weißer Motip Sprühfarbe lackiert.

Dann wurden die roten Türbereiche mit Humbrol 19 und die Schürzen mit einem geeigneten Grau bemalt.

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Da sich der Motor im Mittelteil befindet, war in den Endwagen viel Platz für den rot/weiß-Lichtwechsel in einem kleinen "Kasten", von dem Lichtleitfasern zu den Stirnfronten gezogen wurden.

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Es gab noch genug Freiraum für einen Decoder und in diesem Fall sollte es ein Sound-Decoder mit Lautsprecher sein.

Fenster

Ich hatte mich entschieden, die Fenster mit Microscale "Micro Crystal Clear" zu verglasen. Nach dem Trocknen waren die Fenstereinsätze aber nicht bündig mit der Seitenwand, wie es in der Realität ein Merkmal des IC3 ist. Ich klebte daher Klebeband auf die Außenseite des Wagenkastens und füllte die Fensteröffnungen dann mit "Crystal Clear" von der Innenseite.

Der Wagenkasten wurde hingelegt, bis das "Crystal Clear" getrocknet war. Dann entfernte ich das Klebeband und diesmal fluchteten die Fenster. Leider zeigten einige Fenster Blasen, so dass sie nochmal anzufertigen waren, aber bekanntlich macht Übung den Meister.

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Die Gumminasen

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Die mitgelieferten Gumminasen waren in Weißmetall gegossen und schlecht verarbeitet. Sie passten weder in der Größe noch in den Proportionen, so dass ich neue Nasen anfertigte.

Daher baute ich eine korrekte "Nase" aus Kunststoff und machte einen Abdruck der Nase in einer Silikonform. Somit konnte ich die benötigten Gumminasen mit mattschwarzem Fugendichtungssilikon gießen ... et voila

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 ich hatte elastische IC3-Nasen in den richtigen Proportionen.

Kuppeln der IC3-Elemente

Das nächste Problem - und wahrscheinlich das größte während des gesamten Projektes - war die Verbindung der Endwagen mit dem Zwischenwagen.

Die einzelnen Elemente des IC3 sind gelenkig miteinander verbunden und das wollte ich auch im Modell nachbilden. Der Abstand zwischen den Wagen beträgt in 1:160 2,5 mm. Mit dem Kurzkupplungssystem von Fleischmann sollte dies maßstabsgetreu machbar sein, dachte ich. Aber so einfach war es nicht.

Wenn nun einfach Drehgestelle ohne weitere Maßnahmen unter die Wagenkästen montiert werden würden, ergäbe sich ein zu großer Abstand zwischen den Teilen und es würde in Kurven völlig unrealistisch aussehen. Wären sie zu eng verbunden, würde der Zug nicht auf den kleinen Modellbahnradien fahren, die „etwas“ geringer als auf der großen Strecke ausgeführt sind.

Nach einigen Experimenten fand ich eine brauchbare Lösung. Eine hausgemachte Kurzkupplungskinematik sozusagen.

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Der Waggon war mit einem Zapfen an der Spitze versehen, der in der Schwalbenschwanzführung auslenken konnte.

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Fazit:

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Nach einigen Jahren Arbeit habe ich dann endlich die Wagen lackiert, Chassis und Drehgestelle montiert und schließlich den IC3 in Betrieb genommen. (Die fehlende Beschriftung kann sicherlich von einem der einschlägigen Händler bezogen werden).

Es war ganz interessant, den IC3 bauen und für die vielen Fragen und Probleme auf dem Weg dorthin Lösungen zu finden. Aber hätte ich gewusst, wie schwierig und zeitaufwendig es werden würde, hätte ich wohl gar nicht erst angefangen.

Bei all den Fehlern des Bausatzes wäre es aufgrund der Ausführung der Einzelteile bzw. den erforderlichen Problemlösungen und Nacharbeiten wirklich einfacher gewesen, die Wagenkästen von Grund auf neu zu erstellen.

Aber jetzt sind die Zugeinheiten gebaut und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Falls jemand anderes den Mut zu einem IC3 aufbringen sollte, so stehen bei Bengt Samelius immer noch einige IC3 zur Verfügung. Und die Ideen hier dürfen kostenlos genutzt werden...

Viel Spaß,
Ole Holm

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Hier hat IC 144 Aufenthalt auf Gleis 3 im Bahnhof Nyborg auf dem Weg zur Fähre. Der erste Teil des
entgegenkommenden IC 145 steht auf Gleis 2 und wartet auf den zweiten Teil, der gerade von der Fähre rollt.

Danke an Carsten Möller für die deutsche Übersetzung.