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My von Kato

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My 1136 in Kolding (1986). Foto Holger Cordtz

In den späten 1950er Jahren wurden in Dänemark die neuen My-Lokomotiven in schneller Folge ausgeliefert und My-Loks wurden danach ein alltäglicher Anblick auf den Gleisen. Als die DSB am 30. Dezember 1957 My 1136 aus der dritte Lieferserie (My 1125-1144) erhielten, hatte sich das Interesse an den neuen Loks schon wieder gelegt.

Die Lok kamen sofort in Jütland zum Einsatz, zunächst in weinroter Farbe und später ab 1979 in den damals modernen rot/schwarzen Designfarben.

My 1136, welche während ihres gesamten Lebens im Westen Dänemarks eingesetzt wurde, wurde 1986 als einer der ersten My-Lokomotiven aufgrund von Fehlern in der Elektrik aus dem Betrieb genommen und Jahre später in Vejle verschrottet. 

Modell:

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Die japanische Firma Kato hat jetzt unter der Katalognummer 2882 ein Modell der My 1136 in Design-Farben herausgebracht.

Modelle der My gab es bisher in mehreren Ausführungen: eine einzelne von Piko im Jahr 1970 und zehn von Minitrix, zuletzt als My 1103 im Dezember 2009. Während die Minitrix My eine leicht überarbeitete (und inkorrekte) Auflage des 1970er-Modells darstellt, ist die Kato My eine Neukonstruktion, welche die aktuellen Anforderungen an Fahreigenschaften und Qualität erfüllen sollte. 

Es ist eine sehr schöne Lokomotive geworden. Kato scheint sich angestrengt zu haben, um alle wichtigen Details nachzubilden und es ist gelungen. Die Lokomotive kommt einer My sehr nahe.

Das Modell kommt mit einer etwas knappen Anleitung , die nicht viele Informationen enthält.

Lackierung

Die Lokomotive ist in den Design-Farben rot/schwarz lackiert und stellt somit eine Epoche 4-Maschine dar.

Auf den Bildern können die Farben der Lok ein wenig kräftig erscheinen, auf dem Gleis sieht es aber korrekt aus. Das Rot ist heller als bei der letzten Design-My von Trix und ein weinig dunkler als bei der ersten (My 1146)  aus dem Jahre 1973.

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Auf den Seiten sind DSB-Logo und Nummer scharf und deutlich gedruckt und selbst auf dem nachgebildeten Fabrikschild ist "NOHAB-GM" erkennbar. Die restliche Beschriftung des Fabrikschildes ist nur durch Striche dargestellt. Die unter den Türen befindlichen Angaben zu Gewicht etc. sind lesbar.

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Das Dach ist mit vier Lüftern, die fein detaillierte Andeutungen der Lüftergitter und Ventilatoren zeigen, korrekt ausgeführt

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My 1135 in Hillerød (1999). Foto Lars Christensen

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und an den Dachenden mit Signalhorn, Funkantenne und orangener Warnblinkleuchte ausgestattet. Die Fronttüren und -griffstangen sind als Gravur angedeutet. (Ich habe keine Unterlagen dafür gefunden, dass die 1136 orangene Warnleuchten erhalten hat. Die My-Lokomotiven bekamen die orangenen Leuchten irgendwann in den 1990er Jahren).

Die Fenster der Führerstände sind klar und transparent, Führerstandsinneneinrichtungen sind angedeutet. 

Beleuchtung

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An jedem Ende finden sich drei Frontscheinwerfer, die in der jeweiligen Fahrtrichtung weiß leuchten. Eine Schlußbeleuchtung ist nicht vorhanden.

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Das Licht wird durch Lichtleiter, die im Inneren des Aufbaus befestigt sind, zu den Frontlampen geführt. 

Innenleben:

Das Gehäuse kann einfach abgenommen werden. Durch leichten Spreizen des Aufbaues an der Unterkante mit den Fingernägeln werden die beiden seitlichen Rastnasen ausgehakt und das Chassis rutscht heraus.

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Das Innenleben ist einfach und durchdacht aufgebaut. Der Motor ist in einem Metallblock gelagert, der der Lokomotive Gewicht verleiht und auf dem gut zugänglich die Platine sitzt.

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Darauf befindet sich eine NEM-Steckschnittstelle, die nach Entfernen des Dummies und Einstecken eines Dekoders eine einfache Digitalisierung ermöglicht.

Maße

 Mein untrügliches Lineal zeigt, dass die Lok die richtigen Maße aufweist (natürlich hätte mich alles Andere auch überrascht).

Maß in mm 1:1 1:160 Modell
LüP 18900 118,13 118,1
Achsstand 2000 12,5 12,5
Drehgestellabstand 10300 64,38 64,5

Fahreigenschaften

 Die Fahreigenschaften der Lokomotive erfüllen ebenfalls die Erwartungen. 

Die My wurde auf die Strecke geschickt und lief problemlos "out of the box". Zuerst fuhr sie ein paar Runden mit einer Reihe von Reinigungswagen, so das die Strecke ohne Stocken befahren werden konnte und anschließend mit einer Reihe von Personenwagen.

Der Motor ist kaum zu hören, das Geräusch ist etwas geringer als bei den Motoren der Trix-My und auch das Getriebe macht wenig Lärm. Es erinnert an gute Fleischmann Lokomotiven.

Die My fährt weich und ruhig im Gleis und kann sehr langsam laufen, auch mit mehreren Wagen im Schlepp. Bei niedrigster Einstellung des Transformators gab es kleine Zuckungen während der Fahrt. Dieses entsprach Schrittempo, und ich vermute, daß die Lokomotive gleichmäßig fahren würde, wenn die Gleise komplett gereingt und frei von Schmutz wären. Im Digitalbetrieb wird die Maschine sicherlich problemlos fahren.

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Klar zur Abfahrt

Der Test fand wie auch vorausgegangene Tests auf Asger Høi's anspruchsvoller Anlage mit steilen Steigungen und scharfen Kurven statt, wobei die Kato MY 12 Minitrix B-Wagen ziehen musste. Die Reise führte rund um die Anlage und hinab in die Unterwelt und wieder ging alles reibungslos. Nach jeder Runde wurde ein weiterer Wagen angehängt und die My konnte mit 15 Wagen ohne Hilfe fahren. Dann waren die gequälten Zahnräder des Getriebes zu hören und die Lok drehte an einigen Stellen durch.

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1136 auf der Überführung, wo sich Probleme ergaben 

16 B-Wagen waren auf dem horizontalen Teil der Anlage kein Problem. Die vierprozentige Steigung aus dem Untergrund, die dazu noch in einer scharfen 270°-Kurve liegt, schaffte die My mit den 16 Wagen jedoch nicht ohne Hilfe. 

Drehgestelle und Fahrwerk:

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My 1134 in Esbjerg (1988)

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Die Drehgestelle sind nett geworden und es sind viele Details zu erkennen, auch wenn manche nur angedeutet sind. Ein Rad pro Drehgestell ist mit einem Haftreifen ausgestattet. 

Die Räumer vor den Drehgestellen besitzen Aussparungen, so das die Kupplung ausreichend Bewegungsspielraum hat. In der Verpackung liegen geschlossene Räumer ohne Aussparung bei - vermutlich für den Vitrineneinsatz.

Kupplungen 

Die Lokomotive verfügt über Standard-Kupplungen an beiden Enden. Sie sitzen horizontal, wie es sich gehört und sind ein wenig stramm. Dieses ergab einige Probleme bei den Testfahrten, weil die My die Wagen verlor, wenn es abwärts ging. Es stellte sich heraus, dass die Kupplungen der Trix-Wagen ein wenig hingen, was der Grund für die Entkupplungen war. Das Problem wurde mit Asgers patentierter Weißleim-Methode gelöst. Ein wenig Leim auf die Kupplung der Lokomotive und die Kupplung des ersten Wagens sorgte für den notwenigen Zusammenhalt (Lokomotive und Wagen konnten später leicht getrennt und der Leim wieder abgezogen werden).

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Oben ist der Unterschied in der Höhe der Kupplungen zum Trix-Wagen zu erkennen,
noch deutlicher ist es auf dem unteren Bild mit dem Roco Schlafwagen zu sehen.

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 Eine Kinematik ist vorhanden und die seitliche Auslenkung der Kupplung ist leichtgängig. Es ist möglich, den Kupplungskopf gegen einen Kurzkupplungskopf auszutauschen. 

Fazit:

Katos My ist eine sehr schöne und erfolgreiche Neukonstruktion, die den heutigen Qualitätsansprüchen gerecht wird. Das Modell ist sehr vorbildnah, fährt gut und kann leicht digitalisiert werden.

Bei einem Preis von etwa 110-120 EUR bin ich sicher, dass die Kato My ein Erfolg wird und auf vielen Anlagen fahren wird. Für die dänischen N-Bahner und für alle NOHAB-Freunde ist sie ein Muss.

Wir hoffen, dass der MY 1136 andere dänische Versionen der My folgen werden - es gibt noch genug zu tun.

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Danke an Carsten Möller für die deutsche Übersetzung.