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DSB-Wagen Typ B nach UIC Typ Y
 

von Carsten Möller.

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Die Idee

Vor ein paar Jahren stieß ich auf einen vorgestellten Umbau eines GFN-Pseudo-Bm zu einem DSB-Wagen 2. Klasse des Typs B, welcher dem UIC-Standardtyp Y mit 24,5 m Länge mit 10 Abteilen entspricht. Da diese Waggons früher auch in meine Heimatstadt nach Hamburg-Altona kamen, wollte ich sie nachbauen. Meine persönliches Problem war dabei das nachher unsichtbare Zusammenfügen der gekürzten Gehäuseteile, weswegen es über das Abspeichern der Umbauseite nie hinausging.

Nun hat MTX ein Set osteuropäischer und DR-Y-Wagen herausgebracht, was mich auf die Idee brachte, diese als Umbaugrundlage für einen gleichlangen DSB Typ B zu verwenden.

Die Änderungen umfassen die Anfertigung eines passenden Daches, den Austausch der Drehgestelle gegen solche der Bauart Minden-Deutz sowie eine neue Lackierung und Beschriftung im DSB-Outfit. Am Computer ohne Rücksicht auf Details skizziert sieht es recht vielversprechend aus. 

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Bilder des großen Vorbildes sind z.B. auf railfaneurope.net und auf  Jyske Veterantog (mit Zeichnung) zu finden. Aktuell sind einige Wagen nach einem Umbau zu Liegewagen in attraktiver Lackierung noch im Einsatz.
Für den Modellumbau musste ein CSD 2.Klasse-Wagen (aus MTX 15919) als Spender herhalten. Die CSD-Waggons gehörten hier im Norden nicht zu den Wagen des Sets, die schnell ausverkauft waren. So konnte ich meinem Händler helfen, die Ladenhüter loszuwerden Smile Damit war der Startschuß erfolgt.

Der Wagenkasten

Als Erstes wird das Dach abgenommen, welches nicht weiter benötigt wird und somit die Bastelkiste bereichern kann. Eine weitere Zerlegung des Modells unterbleibt zunächst, damit die sehr dünnen Wände des Aufbaues für die nachfolgenden Arbeiten stabilisiert sind. Um später das neue Dach spaltfrei aufsetzen zu können, ist am Wagenkasten etwas Material abzunehmen. So ist der Absatz auf dem oberen Rand der Seitenwände mit einem Cutter abzutrennen.

Hierbei sollte aufgrund des weichen Kunststoffes vorsichtig vorgegangen werden, um einen Schnitt in die Seitenwand zu vermeiden. Weiterhin müssen die Außenkanten des mittleren Verstärkungssteges angeschrägt werden.

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  Nun wird das Modell komplett zerlegt und der Wagenkasten lackiert. Ab Mitte der 70er Jahre wäre dafür RAL 3002 (karminrot) korrekt. Auf Fotos sehen die Vorbilder nach einigen Jahren etwas dunkler aus. Da ich sie so auch in Erinnerung hatte, habe ich den Aufbau mit dem dunkleren Tamiya TS-32 (dull red) lackiert. Die Türgriffe werden silbern ausgelegt. Eigentlich müssten auch die in einer Tasche versenkten Griffstangen versilbert werden. Das hätte ich nicht sauber hinbekommen, ohne die Umgebungebenfalls zu versilbern. Also habe ich es gelassen, zumal das Vorbild keine versenkten, sondern aufgesetzte Griffstangen hat. Diese können z.B. durch Verwendung der den Roco-Umbauwagen beiliegenden Griffstangen nachgebildet werden.

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Anschließend wird die Beschriftung angebracht. Diese besteht aus DSB-Logo/-Schriftzug, Klassenziffern nebst darunterliegenden Raucher-/Nichtraucherpiktogrammen, dreizeiligem Wagennummeranschriften¬feld (oben „DSB“, mittig Wagennummer, unten „B“), Zuglaufschild und Rahmenbeschriftung am Unterbau. Entsprechende Beschriftungen lassen sich bei KM-Text finden. DSB-Embleme gibt es als Decals bei Kreye, kleine Klassenziffern lassen sich aus Loknummerndecals gewinnen. Ich wollte die Decals mit dem Tintenstrahldrucker nach der Methode von Kas Michorius selbst erstellen.

An Rahmen¬beschriftung und Wagen¬nummernfeld bin ich bisher aufgrund der zu geringen Auflösung des Druckers aber gescheitert. Die Rahmenbeschriftung habe ich daraufhin zunächst weggelassen. Für das Wagennummernfeld war diese Lösung optisch suboptimal, da der Wagenmitte dann irgendetwas fehlte. Ich habe mir daher aus Loknummerdecals etwas Wagennummernähnliches zusammen¬geschnippelt, zufrieden bin ich damit aber nicht. Ich könnte es mir einfach machen und die Decals bestellen, aber ich sehe es als sportliche Herausforderung an, es selbst hinzubekommen. Bis zu einem brauchbaren Ergebnis dauert es dann eben noch... Abschließend sollte alles mit Mattlack (z.B. Gunze Top-Coat) überzogen werden. Damit sind die Arbeiten am Wagenkasten beendet. 

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Das Dach

Als Ausgangsmaterial bietet sich das Dach eines beliebigen Roco Eurofimawagens an, da dieses bereits entsprechende Sicken aufweist. Das Dach muß um 10 mm auf eine Länge von 152 mm gekürzt werden.

Rastnasen

Vorher sind noch die Rastnasen abzubrechen. Sie werden ohnehin nicht mehr benötigt und die beiden Dachteile können dann auf einer planen Unterlage besser zusammengefügt werden. Das zu kürzende Stück wird am Ende des gesickten Bereiches herausgetrennt, wodurch die Trennfuge unauffällig bleibt.

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Damit das Dach auf den Wagenkasten aufgesetzt werden kann, muß es in der Mitte an der Innenkante geschwächt werden, um Platz für den verstärkenden Mittelsteg des Aufbaus zu schaffen. Hierbei ist vorsichtig und mit Gefühl zu arbeiten, um nicht die Dachaußenkante zu beschädigen.

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Dann wird ein Kunststoffstreifen über die Länge der Sicken mittig auf das Dach geklebt. Auf diesem werden die Positionen der Dachlüfter markiert. Die Lüfter der Toilettenräume befinden sich seitlich am Dach.

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Für die Nachbildung der Kuckucklüfter werden 4 mm lange Kunststoffstücke auf die markierten Stellen geklebt.

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Nach dem Trocknen der Klebestellen werden die Kunststoffstücke an den Enden mit einem Cutter abschrägt, um die typische Lüfterform zu erhalten. Wem das alles zu fummelig ist, der kann alternativ die feinen Kuckucklüfter aus dem Sortiment von Schlosser verwenden.

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Anschließend wird das Dach lackiert (hier Tamiya TS-48 gunship grey) und ist damit fertig. 

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Das Fahrgestell

Das Vorbild weist klotzgebremste Minden-Deutz-Drehgestelle auf. Nachbildungen passender Drehgestelle verwendet MTX unter den älteren m-Wagen der DB wie z.B. Bm 232 (13371/grün) oder Am 202 (13192/o/b). Diese lassen sich praktischerweise ohne Änderung der Drehgestellbefestigung gegen die Görlitz-Drehgestelle austauschen. Leider waren bei den üblichen Verdächtigen der Hamburger second-hand-szene keine Spenderwagen für angemessenes Entgelt aufzutreiben, dafür umso mehr Wagen mit MTX-MD-Drehgestellen mit Magnetschienenbremse. Nun gab es mehrere Alternativen:
 
a) auf eine Gelegenheit für passende MTX-Drehgestelle warten
 das kann dauern...
b) MTX-MD-Drehgestellen mit Magnetschienenbremse umschnitzen
 das Resultat wäre dem Vorbild nur ähnlich, die Unterschiede zu Görlitzern wären auch nicht größer
c) MD-Drehgestelle eines anderen Herstellers verwenden
 umfangreicher Umbau der Drehgestellbefestigung wäre erforderlich
d) es bei den Görlitz-Drehgestellen belassen
 aus zwei Metern sind die Unterschiede zum MD-Drehgestell..... ;-)

Ich habe mich für die erste Möglichkeit entschieden. Daher ist der Wagen z.Zt. noch mit Görlitz-Drehgestellen unterwegs. Wenn ich passende Drehgestelle aufgetrieben habe, werden beim Austausch dann auch die Unterbodenaggregate wie z.B. Batteriekästen umgebaut und DSB-gemäß angeordnet. Die Zeichnung auf  Jyske Veterantog liefert einen Anhaltspunkt, wie es auszusehen hat. Somit habe ich zunächst lediglich die Rahmenaußenkante mit Tamiya TS-32 (dull red) lackiert. Auch die Abteilwände der Inneneinrichtung erhielten noch etwas Farbe (Revell 381/braun seidenmatt).

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Die Endmontage

Bevor der Wagen wieder zusammengesetzt wird, müssen noch die oberen Ecken der Stirnwandtürenfenstereinsätze schräg abgetrennt werden, da sonst das Dach nicht aufgesetzt werden kann. Anschließend kann alles ineinandergeklipst und das Dach aufgeklebt werden. Echte Profis hätten noch die Fuge zwischen Rahmen und Wagenkasten verspachtelt, um die glatte durchgehende Seitenwand des Originals nachzubilden. Ich habe aber keine Hemmungen, den Nordpilen/Nordpfeil auch mit Spalt auf die Reise zu schicken.

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Das Wort zum Sonntag

Bei all den Kompromissen, die ich bisher eingegangen bin, weist der Wagen noch ein weiteres Manko hinsichtlich der Fenster auf. So sind die Fenster neben den Türen (Toiletten- bzw. Einstiegsraumfenster) bei einem DSB-Typ B schmaler und die Türfenster nicht nur für einen B-Dänen, sondern auch für einen DR/PKP/CSD/MAV-Y-Wagen zu hoch. An den Stirnseiten wäre eigentlich noch die Position der Schlußlichter zu ändern. Im Zugverband ist davon allerdings recht wenig zu sehen.

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Trotz allem läßt sich relativ einfach ein schönes Modell erstellen. Ich hoffe, daß ich für den einen oder anderen die Anregung zum Nachbau geben konnte. Es besser zu machen, sollte nicht weiter schwierig sein.

Carsten

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